1 BGE 85 IV 121 - Bundesgerichtsentscheid vom 15.09.1959

Entscheid des Bundesgerichts: 85 IV 121 vom 15.09.1959

Hier finden Sie das Urteil 85 IV 121 vom 15.09.1959

Sachverhalt des Entscheids 85 IV 121

Der Kassationshof des Kantons Zürich entschied im Urteil vom 15. September 1959 in Kolb gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich, dass die Täuschung des richterlichen Vertrauens nicht voraussetzt, dass die neue Verfehlung und die strafbare Handlung von gleicher Art seien. Der Richter muss sich gewiss fühlen, dass er das in ihn gesetzte Vertrauen nicht täuschen wird, auch wenn die während der Probezeit begangene Verfehlung zu einem anderen Lebensbereich gehört als die strafbare Handlung. Der Richter muss die Erwartung gerechtfertigt sein, dass der Täter durch die Warnungsstrafe von weiteren Verbrechen und Vergehen abgehalten wird. Das bedeutet nicht nur, dass die Schwere des neuen Fehltrittes zu derjenigen der früheren Straftat in Relation stehe, sondern auch, dass der Täter sich künftig vor weniger schweren Verfehlungen hüte. Der Richter muss das gesamte frühere Verhalten und den Charakter des Täters als Ganzes berücksichtigen, nicht nur diejenigen Charaktereigenschaften und früheren Handlungen, die mit der zu beurteilenden Tat sachlich im Zusammenhang stehen.

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Details zum Bundesgerichtsentscheid von 15.09.1959

Dossiernummer:85 IV 121
Datum:15.09.1959
Schlagwörter (i):Verfehlung; Vollzug; Vertrauen; ühere; Handlung; ährt; üheren; Täter; Urteil; Täuschung; Vertrauens; Schwere; Verurteilte; Verbrechen; Vergehen; Vollzuges; Verfehlungen; Charakter; Urteilskopf; Auszug; Kassationshofes; Staatsanwaltschaft; Kantons; Regeste; Verhältnis; Erwägungen; Bewährungsprobe; ätzlich; ürdig; Übertretungen

Rechtsnormen:

Artikel: Art. 41 StGB

Kommentar:
-

Entscheid des Bundesgerichts

Urteilskopf
85 IV 121

31. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 15. September 1959 i.S. Kolb gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich.

Regeste
Art. 41 Ziff. 3 Abs. 1 StGB.
Die Täuschung des richterlichen Vertrauens setzt nicht voraus, dass die neue Verfehlung und die strafbare Handlung, für welche der bedingte Strafvollzug gewährt worden ist, von gleicher Art seien, auch nicht, dass die Schwere der neuen Verfehlung zu derjenigen der früheren Straftat in einem angemessenen Verhältnis stehe.

Erwägungen ab Seite 121
BGE 85 IV 121 S. 121
Das Gesetz verlangt in Art. 41 Ziff. 3 Abs. 1 StGB nicht bloss, dass der unter Bewährungsprobe stehende Verurteilte vorsätzlich weder ein Verbrechen noch ein Vergehen verübe, sondern es fordert darüber hinaus, dass er sich allgemein des bedingten Strafvollzuges würdig erweise, d.h. dass er das in ihn gesetzte Vertrauen, er werde sich wohlverhalten, auch durch leichtere Verfehlungen, namentlich durch Übertretungen und fahrlässig begangene Delikte, nicht täusche. Das Wohlverhalten, das erwartet wird, muss sich entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers auf sämtliche Lebensgebiete erstrecken. Getäuscht ist das richterliche Vertrauen auch dann, wenn die während der Probezeit begangene Verfehlung zu einem andern Lebensbereich gehört als die strafbare Handlung, für die der bedingte Strafvollzug gewährt worden ist. So
BGE 85 IV 121 S. 122
wird beim Dieb oder Betrüger nicht nur vorausgesetzt, dass er sich an fremdem Eigentum nicht mehr verfehle, sondern ebensosehr, dass er auch auf sittlichem und anderen Gebieten nicht mehr strafbar werde. Dementsprechend muss nach Art. 41 Ziff. 1 Abs. 2 schon bei der Gewährung des bedingten Strafvollzuges die Erwartung gerechtfertigt sein, der Täter werde durch die Warnungsstrafe von weiteren Verbrechen und Vergehen schlechthin abgehalten, nicht bloss von Strafhandlungen, für welche die Massnahme zugebilligt wird. Und ebenso müssen bei der Beurteilung dieser Voraussage ausser den Tatumständen das gesamte frühere Verhalten und der Charakter des Täters als Ganzes berücksichtigt werden, nicht nur diejenigen Charaktereigenschaften und früheren Handlungen, die mit der zu beurteilenden Tat sachlich im Zusammenhange stehen.
Ebensowenig kann dem Beschwerdeführer darin zugestimmt werden, dass eine Täuschung des richterlichen Vertrauens nur vorliege, wenn die Schwere des neuen Fehltrittes zu derjenigen der früheren Straftat in Relation stehe. Ein solches Erfordernis würde auf eine nicht gerechtfertigte Privilegierung derjenigen Verurteilten hinauslaufen, die sich besonders schwer vergangen haben. Je schwerer die Tat war, für die der bedingte Strafvollzug gewährt wurde, umsomehr ist dem Täter zuzumuten, dass er sich künftig auch vor weniger schweren Verfehlungen hüte.

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